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Sidney Corbett,

born in 1960 in Chicago, studied music and philosophy at the University of California, San Diego, Yale University, where he earned his doctorate in 1989 and from 1985 to 1988 at the Hamburg Academy of Music with György Ligeti. Corbett has lived primarily in Europe since 1985. His musical output, which includes opera and other forms of musical theatre, orchestral and chamber music and music for the voice has received numerous prizes and awards and is performed regularly by leading orchestras, ensembles and soloists worldwide. He has been professor of composition at the University of Performing Arts in Mannheim since 2006 and is also the director of their Forum for New Music. He has been musical director of the GNM Mannheim (Society for New Music Mannheim) since 2015.

Corbett is an artist outside the boundaries of „new music“ mainstream whose stance is nonetheless explicitly contemporary. His work draws upon a broad range of sources, both musical and extra-musical, including literature and the visual arts and engages philosophical and theological questions. A strong sense of lyricism and complexly overlaid rhythmic pulsations are characteristic of his music. Corbett is an active guitarist and was founding member of the avantgarde techno-house group „vierte heimat“ and also performs in various improvisation groups. His music is firmly established in the international music world.

A particular emphasis in his recent work has been in the area of music theatre. He has written six operas, among them NOACH, after a libretto by Christoph Hein (Bremen 2001), „Das Große Heft“ (The Notebook), after the novel by Agosta Kristof (Osnabrück 2013) and „Die Andere“ (The Other), again after a libretto by Christoph Hein (Magdeburg 2016). His most recent opera, „San Paolo“, after an unrealized screenplay by Pier Paolo Pasolini premiered in Osnabrück in April 2018 and was awarded the 2018 Pfalz Prize for Music.

Corbett’s literary leanings are also evidenced by his numerous song cycles and vocal works on texts by Christine Lavant, Barbara Köhler and Roland Barthes among others. Literary influences can also be found in his instrumental music, for example in „Yaël“ for violin and orchestra, which is inspired by the writings of Edmond Jabès or his Third Symphony, „Breathing the Water“, for soprano, trumpet and contrabass with string orchestra, which was premiered by the Staatskapelle Berlin and in which texts by Denise Levertov and Amal Al-Jubouri are juxtaposed. One of his most recent works, "Aporia", commissioned by the San Francisco Contemporary Music Players and premiered there in May 2019, also draws on a literary source, in the case the writings of Jacques Derrida.

His music is published by Edition Nova Vita Berlin and distributed worldwide by CF Peters. CDs of his music have been released on Kreuzberg Records, Cybele, Mode, CRI, Edition Zeitklang, Blue Griffin, Edition Kopernikus and Ambitus. Corbett lives with his wife and three children in Schwetzingen.

Der Komponist Sidney Corbett: das innere RIngen und seine Suche nach dem, was in uns ist

 

Corbetts Komponieren zeichnet sich durch den wunderbar entspannten Umgang mit dem Gesanglichen aus – kein schmetterndes Arioso, vielmehr die subtile Führung der Linien.“ (Die „FAZ“ über „Das große Heft“)

 

Für mich ist Musik eine der wesentlichen Quellen geistiger Nahrung“ hat Sidney Corbett in einem SWR-Interview zu Protokoll gegeben. Für das Komponieren sei es „vor allem wichtig, eine Haltung zu entwickeln“. Corbett ist ein Künstler, der abseits des Mainstreams der "Neuen Musik" seine eigenständige und nicht weniger explizit zeitgenössische Position vertritt. Sein Werk bezieht sich auf eine breite Palette von musikalischen wie außermusikalischen Quellen, darunter Literatur und bildende Kunst, und verhält sich auch zu philosophischen und theologischen Fragen. Lyrische Sinnlichkeit und komplexe rhythmische Überlagerungen von Pulsationen sind charakteritisch für seine Musik. Er ist ein Suchender, ein Forscher, für den Musik eine Ausdrucksform und Weltbeschreibungsmöglichkeit darstellt. Corbett ist weltoffen, neugierig geblieben, ein Künstler, der stets seine Ästhetik und ihre möglichen Konsequenzen hinterfragt.

 

Biographie

Geboren wurde Sidney Corbett 1960 in Chicago, als Sohn einer jüdischen Mütter und eines katholischen Vaters, allerdings wuchs er ohne religiöse Erziehung auf. Ende 1968 zog die Familie nach Los Angeles, Kalifornien, und ab 1974 fing er an, die E-Gitarre zu lernen und in verschiedenen Bands zu spielen - zuerst Blues und Rock, später Jazzfusion. Erst 1977 lernte Corbett die Notenschrift und fing an, erste eigene Kompositionen zu schreiben. „Für mich war das Griffbrett der Gitarre ein sehr kleines Universum“, sagte er in einem SWR-Feature über seine Arbeit, „die Welt ist sehr viel größer.“ Diese Erkenntnis führte zum Studium der Musik, Philosophie und Komposition an der University of California, San Diego (UCSD) und anschließend an die Yale University, wo er 1989 mit einer Arbeit über Edgar Varèses „Hyperprism“ promovierte. Zu seinen Lehrern zählten u.a. Pauline Oliveros, Bernard Rands, Frederic Rzewski, Jacob Druckman, Martin Bresnick und Morton Subotnick. Persönliche Begegnungen mit Toru Takemitsu und John Cage machten ebenfalls einen nachhaltigen Eindruck auf den jungen Komponisten. Von 1985 bis 1988 war er schließlich auch Mitglied der Hamburger Kompositionsklasse von György Ligeti, sicherlich sein prägendster Einfluß. Überaus streng, verlangte Ligeti neben makellosem Handwerk auch Individualität und stetiges Hinterfragen von allen Aspekten der Kunst.

 

Werk

Auch wenn Corbett für alle Gattungen komponiert - Orchestermusik, Kammermusik, Vokalmusik - ist ein wesentlicher Teil seines musikalischen Schaffens dem Musiktheater gewidmet. Häufig auf literarischen Stoffe bezogen, arbeitet Corbett gern mit zeitgenössischen Autoren, wie Christoph Hein und der brasilianischen Dichterin Simone Homem de Mello. 2001 wurde „Noach“, Corbetts erste große Oper, nach einem Originallibretto von Christoph Hein, am Bremer Theater uraufgeführt. Es folgte, ebenfalls in Bremen, die Kammeroper "Keine Stille (außer der des Windes), auf Texten von Fernando Pessoa, eingerichtet von Simone de Mello. Dieses Werk wird am Nationaltheater Mannheim in einer neuen Produktion 2021 gezeigt. 2012 entstand „UBU: Eine Groteske“ nach Alfred Jarry, wieder nach einem Libretto von de Mello, für das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, 2013 „Das große Heft“ nach dem Roman von Agota Christof für Osnabrück, nach einem Libretto von Ralf Waldschmidt. 2016 wurde in Magdeburg Corbetts Oper „Die Andere“ uraufgeführt, erneut nach einem Libretto des Schriftstellers Christoph Hein. Auf der Geschichte von Abraham, Sarah und Hagar basierend, geht dieser Oper der Frage nach, ab wann die eigenen Prinzipien preisgegeben werden im Angesicht eines steigenden äußeren Drucks. 2018 wurde Corbetts jüngste Oper, "San Paolo", nach einem unrealisierten Filmdrehbuch von Pier Paolo Pasolini, uraufgeführt, erneut in Osnabrück. "San Paolo" erhielt 2018 den Hauptpreis des Pfalzpreises für Musik.

 

Zu den größeren Orchesterwerken Corbetts gehören drei Sinfonien, "Tympan", „The Immaculate Sands“ und "Breathing the Water", sowie das Violinenkonzert,„Yael“. Die beiden letzteren Werken zeugen von dem literarischen Hang des Komponisten, der auch in der Instrumentalmusik zu finden ist. In "Breathing the Water" werden Texte von der großen amerikanischen Dichterin Denise Levertov, mit der Corbett eine Korrespondenz führte, der Poesie der in Deutschland lebenden Irakischen Dichterin Amal Al-Jouburi gegenübergestellt. Dieses Werk wurde von der Staatskapelle Berlin in Auftrag gegeben und 2006 uraufgeführt. Yaël hingegen reflektiert Corbetts intensive, jahrzehnte lange Beschäftigung mit dem Werk des bis zu seinem Tode 1993 im Pariser Exil lebendern Schriftstellers Edmond Jabés. Vokalwerke auf Texten von Roland Barthes, Giordano Bruno, Mahmoud Darwish, Christine Lavant und anderen sind weitere Beispiele seiner litararischen Neigung. Zu seinen kammermusikalischen Hauptwerken gehören "Fractured Eden" für Streichquartett, "Rasch", für Sopran und Kammerensemble, sein Klaviertrio und sein Klavierquintett sowie sein autobiographisch geprägtes E-Gitarrenkonzert, "Exits", komponiert im Auftrag von Deutschlandfunk Köln für Musikfabrik NRW und den Gitarristen Seth Josel, zu hören auf der Solo-CD "que hora es in paradiso?" Es gibt zudem viele Stücke in kleineren Besetzungen, sowie Solowerke, die oft das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit mit den Interpreten seiner Musik sind. 2017, beispielsweise, ist bei Edition Kopernikus die CD „Postscript” mit seiner Klaviermusik erschienen, eingespielt von Florian Heinisch.

 

Laufbahn und Lehrtätigkeit

Parallel zu seiner Haupttätigkeit als Komponist ist Corbett seit Jahren als Autor von Texten zu musikalischen Themen und als Kompositionslehrer tätig. Schon an der Yale University 1985 war Corbett "Teaching Fellow in Composition". 1994 berief ihn die Duke University in Durham, North Carolina als Gastprofessor für Komposition und Analyse zeitgenössischer Musik. Seit 2006 ist Corbett Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Mannheim. 2015 übernahm er die Verantwortung fürs Programm der dortigen Gesellschaft für Neue Musik. 2018 war Corbett „Composer in Residence” beim Daegu Festival in Südkorea. Im Laufe seiner Karriere erhielt Corbett Kompositionsaufträge u.a. von den Berliner Philharmonikern, der Staatskapelle Berlin, WDR, SDR und SWR.

 

2019 entstand „aporia”, inspiriert durch Texten von Jacques Derrida, für die San Francisco Contemporary Music Players, sowie "The Saddest Red", eine Reaktion auf Bilder des Malers Cy Twombly, für Akkordeon und Streichquartett, für Ensemble Wiener Collage. Für 2020 ist die Uraufführung eines Orchesterstücks für das Nationalorchester Mannheim geplant, ferner ein neues Werk für Solo Violine und acht Solostimmen, für die Violinistin Nurit Stark und Schola Heidelberg unter Walter Nußbaum. Die Uraufführung ist für Februar 2021 vorgesehen. Veröffentlichungen seiner Werke sind bei Sony Classical, Cybele, Mode Records, CRI, Edition Zeitklang, Kreuzberg Records, Blue Griffen, Edition Kopernikus und Ambitus Records erschienen. Corbetts Musik wird von Edition C.F. Peters, Leipzig, London und New York verlegt und weltweit vertrieben.

 

Und was wurde bei all dem aus der ersten Leidenschaft? Die Liebe zur Gitarre – sie ist geblieben. Nach wie vor spielt Corbett, u.a. 2004-2008 in der Avantgarde Techno/House Band "Vierte Heimat", sowie bis heute in verschiedenen improvisierenden Formationen, immer wieder auf der spontanen, lebenslangen Suche nach der anderen, der noch besseren Idee.